Toxische Beziehungen sollten nicht normalisiert werden

Der Kreislauf aus Aggression und Kontrolle kann zu einem lebenslangen Trauma führen

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Toxische Beziehungen sollten nicht normalisiert werden

Sam Carpenter

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By Gabby Campos, Jan Niklas Jokisch, and Xenia Ariñez de la Vega

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Wie niemals zuvor scheint es, dass toxische Beziehungen in unserer Gesellschaft normalisiert werden. Beziehungen können absolut verwirrend sein – so viel ist klar. Wir begeben uns oftmals schon auf die Suche nach ihnen, wenn wir noch jung sind und uns selbst noch nicht gefunden haben, und das kann zu vielen Problemen führen. Noch besorgniserregender ist, dass solche Probleme oft übergangen werden, was dazu führen kann, dass junge Teenager und Erwachsene Auswirkungen spüren, die sich in lebenslange Traumata entwickeln können.

Anzeichen für toxische Beziehungen sind nicht für jeden offensichtlich, weshalb sie oftmals nicht beachtet und als „normal“ bezeichnet werden. Sie schließen passiv-aggressives Verhalten, Gaslighting, Opfer spielen, Eifersucht, Kontrollsucht, große Unsicherheit, versuche die andere Person in der Beziehung oder zu Hause enzusperre und Vertrauensmangel mit ein.

Die Grenze zwischen gesunden und toxischen Beziehungen kann sehr schwer zu ziehen sein. Eine Grenze ist dann überschritten, wenn du bemerkst, dass du dich nicht mehr wie ein Individuum fühlst und mehr von dir verlangt wird, als du geben kannst. Viele solche Beziehungen beginnen in einem Alter, in welchem die Personen immer noch in einem Prozess sind, einen Sinn für ihre Individualität und ihre Unabhängigkeit zu entwickelt, und diese Verletzlichkeit in Kombination mit einem Verlangen nach Liebe und Zuneigung gibt Leuten das Gefühl, dass sie sich ihrem Partner oder ihrer Partnerin vollkommen hingeben müssen, um deren Liebe zu verdienen. Dies schafft eine gefährliche gegenseitige Abhängigkeit.

Es kann unglaublich emotional auslaugend sein, wenn mehr von dir verlangt wird, als du geben kannst. Was es oftmals schwer macht, eine toxische Beziehung zu erkennen, ist, dass Missbraucher versuchen ihr schlechtes Verhalten durch nette Gesten und „love bombs“ wieder gut zu machen. Manipulatoren benutzen „love bombs“, indem sie ihren Partner oder ihrer Partnerin mit Komplimenten überschütten, übermäßig liebenswürdig sind oder Geschenke geben, um ihr misshandelndes Verhalten überzukompensieren. Selbst wenn die Beziehung mehr schlechte als gute Qualitäten hat, kann love bombing genug sein, um eine Person davon zu überzeugen, in der Beziehung zu bleiben.

Es ist wichtig zu erkennen, dass emotionaler Missbrauch auf platonischen Beziehungen genauso zutreffen kann wie auf romantische. Oberstufe und Universität sind besonders gängige Zeiten, in denen sich toxische Freundschaften entwickeln können, da beides Lebensabschnitte sind, in denen Leute typischerweise anfangen, sich nach echten Beziehungen mit tieferer Bedeutung umzusehen. Die Zeichen einer toxischen Freundschaft sind denen einer toxischen Beziehung ähnlich. Jeder Freund oder jede Freundin, die immer die Kontrolle hat, herabsetzt und beleidigt, passiv-aggressives Verhalten einsetzt und häufig eifersüchtig ist, ist toxisch.

Die Medien spielen sicherlich eine Rolle in der Nominalisierung toxischer Beziehungen. Leute in unserer Generation beispielsweise mögen es besonders toxische Figuren in Fernsehsendungen zu romantisieren. Sie finden solche Charaktere faszinierend und ansprechend einfach aufgrund ihres Charms, selbst wenn sie sich unzweifelhaft misshandelnd verhalten.

Soziale Medienplattformen wie Twitter tragen zudem zu dieser Normalisierung bei. Es ist schon häufiger vorgekommen, dass ich in meiner Timeline „Witze“ und „Memes“ über toxisches Verhalten gesehen habe, aber anstatt darüber zu lachen, hat mich das nur angewidert. Beispielsweise wenn Bilder von Frauen mit tiefem Ausschnitt oder einen „skandalösem“ Outfit gepostet werden und ein Mann den Tweet zitiert und fragt: „Leute, was würdet ihr machen, wenn eure Freundin so ausgehen würde?“ und viele antworten, dass sie es nicht erlauben würden oder sie dafür später bestrafen würden. Ich habe Leute gesehen, die solche Sachen tweeten wie „Okay, mir ist langweilig, will irgendwer eine toxische Beziehung anfangen?“

Gefährlich und kontrollierten zu sein und anderen zu schaden ist weder interessant oder attraktiv, noch sollte es verherrlicht werden. Die Folgen einer toxischen Beziehung sind schlimmer als viele glauben möchten und solche Beziehungen können Auswirkungen auf den Rest eines Lebens haben. Als jemand, der selbst unter den Auswirkungen einer toxischen Beziehung gelitten hat, kann ich bestätigen, dass daran nichts Romantisches ist. Es zu normalisieren, kann Opfer emotionalen Missbrauchs das Gefühl geben, nicht ernstgenommen zu werden, und letztendlich kreiert es eine toxische Kultur von Individuen, die von solchen Beziehungen eher angeheitert sind als sie zu fürchten.

Wenn du oder ein Angehöriger gerade Missbrauch erfährt oder ihr um eine Beziehung besorgt seid, könnt ihr die National Teen Dating Abuse Hotline unter 1-866-331-9474 oder per SMS 22522 kontaktieren, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist.

Gabby Campos ist unter [email protected] erreichbar.

Jan Niklas Jokisch ist ein Deutschübersetzer und ist unter [email protected] erreichbar.

Xenia Ariñez de la Vega ist die Deutsch-Redakteurin und ist unter [email protected] erreichbar.