Warum ein Abschluss in den Geisteswissenschaften nicht nutzlos ist

Wie dich diese Studienfächer trotzdem erfolgreich machen können

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(Collegian file photo)

Einst sahen die meisten Leute die Universität als einen Ort, an welchem sie studieren konnten, was sie liebten. Heute gibt es andere Motivationen: die meisten Studierenden sehen die Universität vor allem als einen Weg, um die eigenen Berufschancen zu verbessern.

Aufgrund dieser Fokusverschiebung von Interesse zu Karriere sind die Studierendenzahlen in Fächern, die als „nicht professionell“ und „nicht marktfähig“ gelten, drastisch gesunken. Besonders die Geisteswissenschaften, darunter Englisch, Musik, Geschichte und Sprachen, mussten einen harten Schlag hinnehmen: Die Zahl der Geschichtsstudierenden ist seit 2007 um 45% gesunken und jene der Englischstudierenden hat sich seit den 1990ern halbiert. Leute bleiben den Geisteswissenschaften fern, da sie glauben, dass diese Fächer schlechte Berufsaussichten haben; deshalb der Witz, dass alle Englischstudierende irgendwann als Starbucks- Baristas enden. Selbst wenn man mit einem Abschluss in den Geisteswissenschaften angestellt wird, so behaupten Kritiker, sind die finanziellen Vorzüge eines derartigen Abschlusses begrenzt. Sie weisen auf Statistiken hin, die zeigen, dass das durchschnittliche Gehalt am Ende einer Karriere für eine Person mit geisteswissenschaftlichem Abschluss bei rund $52.000 liegt, was weniger als der Durchschnitt aller Personen mit Hochschulabschluss ($60.000) und Besserverdienender wie Ingenieure ($80.000) ist.

Ein Glück für die Liebhaber der Geisteswissenschaften, dass nicht alle Hoffnung verloren ist. Der Großteil der Informationen bezüglicher ihrer Fächer ist irreführend oder falsch. Die Barista-Witze mal beiseite, Menschen mit einem Abschluss in den Geisteswissenschaften sind nicht chronisch unterbeschäftigt. Ihre Arbeitslosenquote direkt nach dem Abschluss beträgt 9,1 Prozent, was praktisch identisch ist mit jener von hochbezahlten MINT-Fächern wie Mathematik oder Informatik (9 Prozent) und nur etwas höher als der Durchschnitt aller Fächer (7,9 Prozent). Nicht nur finden Leute mit einem geisteswissenschaftlichem Abschluss Jobs, sie führen diese sogar hervorragend aus. Viele revolutionäre Entrepreneure kommen sogar aus den Geisteswissenschaften: Jack Ma, Mitbegründer und ehemaliges Vorstandsmitglied des chinesischen Technologiegigantens Alibaba, studierte Englisch; und Michael Eisner, ehemaliger CEO der Walt Disney Company, hat einen Doppelabschluss in Englisch und Theater. Für junge Absolventen sieht es sogar noch besser aus: eine Studie hat gezeigt, dass der Großteil der Unternehmensleitenden unter 45 einen Abschluss in den Sozial- oder den Geisteswissenschaften haben. Selbst in der mittleren Führungsebene kann ein Hintergrund in den Geisteswissenschaften zu Vorzügen führen. Marketing- und Werbemanager mit einem Wirtschaftsabschluss verdienen durchschnittlich $64.000, während solche mit einem geisteswissenschaftlichen Abschluss durchschnittlich auf eindrucksvolle $84.000 schaffen.

Geisteswissenschaftliche Abschlüsse können marktfähig sein, da sie Fähigkeiten bieten, die Arbeitgeber suchen. Fünfundsiebzig Prozent der Personalvermittler wollen Kandidaten mit Erfahrung in Fähigkeiten wie „kritischem Denken“, „schriftlicher und mündlicher Kommunikation“ und „komplexem Problemlösen“. Egal ob durch die Analyse von subtilen Motiven in einem Englischkurs oder durch das Diskutieren aristotelischer Logik in einem Philosophiekurs, die Geisteswissenschaften statten ihre Studierenden mit den Werkzeugen aus, um eine erfolgreiche Karriere zu starten. Eisner merkt an, dass seine Kursarbeit in Englisch ihm praktische Einsichten gab: „Literatur ist unglaublich nützlich, denn unabhängig davon in welchem Job du bist, du hast immer mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun.“

Kritiker würden nichts desto weniger auf Statistiken aufmerksam machen, die geisteswissenschaftliche Abschlüsse als eine „schlechte Investition“ darstellen, die zu geringeren Einkünften als andere Abschlüsse führen. Dennoch sieht die Realität bei genauerem Betrachten der Zahlen nicht ganz so einfach aus. Viele Absolventen der Geisteswissenschaften entscheiden sich für geringer verdienende Berufe wie Berater oder Sozialarbeiter, was den Gehaltsdurchschnitt für Leute mit geisteswissenschaftlichem Abschluss senkt. Ich ermutige Studierende der Geisteswissenschaften zu recherchieren, welche Jobs verlockend klingen und genug bezahlen, um finanzielle Sicherheit zu garantieren – besonders wenn man dafür Ressourcen wie Career Centers oder das Internet benutzt. Zusätzlich zu dieser Recherche sollten sie versuchen mehrere Praktika während ihrer Studienzeit zu absolvieren, um ihnen bei der Wahl eines besonderen Feldes zu helfen.

Trotz dieser unglaublichen Vorteile von geisteswissenschaftlichen Abschlüssen ermutige ich Studierende essenzielle moderne Fähigkeiten wie Datenanalyse und Programmieren zu lernen, um so ihre Karrierechancen zu verbessern. Ein Java- oder Buchführungs-Wahlfach oder als Nebenfach eine quantitative Disziplin wie Informatik zu wählen, ist ein guter Weg, eine ausgewogene Bildung zu gewährleisten. Wenn du am Ende deines Studiums bist und keine Zeit mehr hast, um derartige Kurse zu belegen, gibt es immer noch andere Möglichkeiten zu lernen: viele technologiebasierte Fähigkeiten können durch ein Praktikum oder eine Ausbildung nach dem Abschluss gelernt werden. Eine Mischung aus Soft und Hard Skills, welche man durch eine Kombination aus einem geisteswissenschaftlichen Abschluss mit einigen Training im Umgang mit Technologien erhalten kann, kann Kandidaten zu attraktiven Kandidaten auf dem heutigen wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt machen.

Es gibt also tatsächlich einen Weg, wie wir das studieren können, was wir lieben, und trotzdem viel Geld damit machen können. All ihr Literaturenthusiasten und Liebhaber des musikalischen Kontrapunkts, macht euch also keine Sorgen irgendwann bei McDonalds Fritten servieren zu müssen oder auf der Straße zu enden: ihr könnten auf dem Chefsessel einer der Fortune 500 Unternehmen sitzen. Es gibt also keinen Grund zu warten. Geht raus und nutzt die Chance.

Arnav Mehra ist ein Collegian-Kolumnist und unter [email protected] erreichbar.

Jan Niklas Jokisch ist ein Deutschübersetzer und ist unter [email protected] erreichbar.

Xenia Ariñez de la Vega ist die Deutsch-Redakteurin und ist unter [email protected] erreichbar.